Ein junger Student sitzt auf einer Bank und möchte sich gerade eine Zigarette anzünden. Neben ihm setzt sich eine Frau mit einem kleinen Kind hin. Unweigerlich packt er sein Feuerzeug zurück in die Tasche und legt die gedrehte Kippe wieder in sein Etui. Mit einem Kopfnicken be- dankt sich die Frau für das Nichtrauchen. Für den jungen Studenten ist das selbstverständlich. Sich selbst mit den Zigaretten zu schaden ist das eine, aber einer anderen Person oder gar einem Kind durch Pas- sivrauchen zusätzlichen Schaden zuzufügen, kommt ihm nicht in den Sinn. „Du bist noch so jung, du solltest nicht rauchen. Das ist wirklich ungesund, lass es lieber.“ Der junge Student kann nur mit einem Schulterzucken sagen: „Sie haben ja eigentlich recht, aber das ist nicht so leicht.“ Als die Frau sich wieder auf den Weg macht, sucht er sofort seine Zigarette aus dem Etui und möchte sie anzünden. Während er in seinen Taschen nach dem verlegten Feuerzeug sucht, begrüßt ihn eine Kom- militonin und sagt: „Hey, sag mal, warum hörst du denn nicht auf zu rauchen? Du gibst wahrscheinlich mindestens 30€ im Monat für Zigaret- ten aus, oder? Das sind 360€ im Jahr!“ „Das sollte hinkommen, ja.“ er- widert der junge Student etwas genervt. „Du meintest doch mal, dass du das schon seit 5 Jahren so betreibst. Weißt du, wie viel Geld das wäre? Ich sage es dir: 1800€ hast du verschwendet und hättest dir davon schon einen gebrauchten Kleinwagen holen können!“ Der Junge überlegt eine Weile und antwortet ganz nüchtern: „Und wo ist dann dein Klein- wagen?“ Darauf ist die Studentin etwas sprachlo. Sie besitzt noch kein Auto und weiß nicht, was sie darauf sagen soll. „Pass auf“, erklärt der Student: „Es ist echt lieb von dir. Du willst mir ja auch nur helfen, aber wegen dem Geld ist das Rauchen kein Problem. Das Geld geht auch so im Monat flöten. Das Ein- zige, was mit so einer Aussage erreicht wird, ist, dass ich noch mehr gestresst bin und noch dringender mein verdammtes Feuerzeug finden möchte.“ Die Kommilitonin antwortet schweigend und geht nach ein paar Minuten. Da- raufhin nimmt auf dem leerstehenden Platz eine ältere Frau Platz. Sie sieht die Zigarette und holt ein Feuerzeug aus ihrer Tasche, mit dem sie dem jungen Studenten die Zigarette anzündet. Daraufhin holt sie eine dünne Kippe aus ihrer Schachtel und zündet ihre auch an. Der junge Student erwidert ges- chmeichelt: „Für einen Moment dachte ich, Sie möchten mir auch das Rauchen austreiben. Danke für das Anzünden.“ „Nicht doch. Ich würde nur gerne deine Begründung wissen, warum du es machst. Denn die Gründe für das Nichtrauchen sind uns wohlbekannt: Krebsverursacher, Umweltverschmutzer, Suchtprobleme etc.“ Nun muss der Student etwas länger überlegen, bis er schließlich sehr freundlich eine Antwort gefunden hat: „Durch das Nikotin ist das Rauchen stresslindernd und stei- gert den Dopaminspiegel. Der wiederum sorgt für ein gutes Gefühl und eine steigernde Herzfrequenz, was wiederum zu einer besseren Leis- tungsbereitschaft und Gedächtnisleistung führt. Außerdem verbindet das Rauchen mit dem kleinen Teil der Gesellschaft, die das gleiche Ver- langen verspüren.“ „Nun ja“, meint die Frau, „das sind sehr schöne Vorteile, aber wir wissen beide, dass diese auch ohne das Rauchen möglich wären. Ich bin mir sicher, du kommst darauf, warum du wirklich rauchst.“ Der junge Student schweigt. „Richtig“ freut sich die Frau. „Und hier ist auch schon das Problem in unserer Gesellschaft. Wer auf der Straße oder Zuhause ein Feierabendbier trinkt, wird akzeptiert, ob- wohl, wenn der tägliche Konsum stattfindet, auch von einer Sucht die Rede sein kann. Auch wer Zucker genießt, hat von der Gesellschaft keinen Schaden, aber die Raucher, die sind ein Problem und haben sich nicht im Griff. Stattdessen sollte man uns eher bemitleiden, weil wir ein Suchtproblem haben, statt uns abfällig anzuschauen und nur zu sagen: „Hör doch auf, dir zu schaden!“” Der junge Student ist sprachlos und überzeugt von der Meinung der Frau: „Ich gebe dir vollkommen recht. Es ist sehr schade, dass die Gesellschaft keine kranken Menschen in den Rauchern sieht, die geheilt werden möchten, sondern nur das Problem, das sie verursachen. Wissen Sie, durch so ein gutes Gespräch habe ich zwar einerseits das Verlangen, eine weitere Kippe mitzurauchen, damit das gute Gespräch noch kein Ende hat, aber auf der anderen Seite bin ich dadurch viel mehr motiviert, das Rauchen zu reduzieren, um von einem kranken Menschen zu einem geheilten Menschen zu werden. Also bedanke ich mich herzlich für die wahren und guten Worte.“